Moto Guzzi 1000 S Serie 2

09.10.2022 - Ein neuer Versuch mit der Bremse, ich baue den vorderen
linken Sattel ab und hänge ihn nach oben, dann entlüfte ich erneut. Hinten
wird's etwas schwieriger, da der Sattel nicht am Hinterrad vorbei geht.
Also linker Endtopf ab, Hinterrad raus, Sattel abbauen und nach oben
hängen. Aber auch diesmal klappt es nicht: Obwohl überall blasenfrei
Bremsflüssigkeit ankommt, bleibt das Pedal weich, beide Bremssättel
ziehen nicht. Die Bremse schafft mich! Na schön, versuchen wir mal anders
Erfolge zu ernten... Ich baue die Federn der Gasschieber aus und ersetze
sie gegen schwächere Federn - das ging einfach zu stramm. Dann zerlege
ich den Gasgriff, da der Griff nach dem Drehen nicht von alleine zurück-
kommt. Nach einer halben Stunde des Probierens und Testens habe ich
den Bogen endlich raus und den Fehler gefunden: Das Umlenkteil des
Mini-Gaszzuges im Griff rutschte beim Festziehen der Schrauben immer
aus der Nut. Dann baue ich das Kupplungsseil aus, repariere die schad-
hafte Hülle mit Schrumpfschlauch und verlege ihn neu, damit er nicht immer
am Rahmenunterzug scheuert. Die Federn des Seitenständers sind ziemlich
lahm geworden, Ersatz ist da, tauschen wir die mittels bewährter Methode
mit U-Scheiben aus. Die gleiche Aktion würde ich gerne mit dem Haupt-
ständer machen, leider sind die bestellten Federn einen guten Zentimeter
zu lang... Grrr! Ich schmiere den Ständer gut ab, dann klappt er wenigstens
wieder ein. Ich werde mich mal weiter in Internetforen umschauen, wie
man mit welchen Tricks die Bremse entlüften kann - so ein Mistteil!
Zuletzt schaue ich noch mit dem Endoskop in die Zylinder rein, rechts sieht
man den Kreuzschliff, alles gut. Links dagegen sind leichte Riefen zu sehen,
da wird erst ein Kompressionstest für Klarheit sorgen.

Entlüften an der Decke... Kürzer und damit weicher,
eine neue und eine
alte Gasschieberfeder.
Feder mal anders: Die
Federn des Seitenständes
werden ersetzt.

10.10.2022 - Gehen wir die Bremse erneut an... Ich baue den vorderen linken
und den hinteren Bremssattel aus (wieder Auspuff ab und Rad raus...), hänge sie
nach oben und entlüfte. Der Bremsdruck will sich nicht einstellen, aber ich bemerke,
das während des Entlüftens das Mopped "unter sich" gemacht hat - auf dem Boden
liegen Tropfen frischer Bremsflüssigkeit. Wo kommt denn das her? Vom Bremsventil
nach unten getropft! Ich reinige es mit Bremsenreiniger, setze die Bremse unter Druck
und wieder bildet sich im Spalt am Anschluss eine Undichtigkeit. Bremsventil raus,
alle Dichtflächen kontrolliert - nichts zu sehen. Im Paket der Bremsleitungen sind noch
zwei neue Dichtringe, die probiere ich aus - auch nix... In meinem Fundus gibt es noch
etwas dickere Kupferringe, die werden als Nächstes verbaut - auch undicht.
Das kann doch nicht...? Dann durchzuckt mich ein Geistesblitz: Die fragliche Leitung
lässt sich auch andersrum verbauen, ich setze also den Anschluss, der an den
Verteiler gehört, an den Bremszylinder und umgekehrt, prüfe und - jetzt tropft es
am Hauptbremszylinder! Also liegt es nicht am Bremsventil, sondern entweder an
der neuen Leitung oder der Hohlschraube, obwohl ich nirgends was sehen kann.
Ich telefoniere mit dem Hersteller, lasse mich mit einem Techniker verbinden und
schildere ihm das Problem, er kann sich's eigentlich nicht vorstellen. Er will die
Leitung sehen, ich packe also Leitung, Hohlschraube und die Dichtringe in ein
Paket, das geht morgen auf die Post - ich bin gespannt, wie das Ergebnis ist.
Bremssattel hinten... ...und vorne werden
nach oben gelegt.
Das Pedal ist
auf Druck arretiert.
Da ist's undicht! Auch mit Kupferringen. Leitung umgedreht -
Anschluss dicht!
Dafür tropft es jetzt... ...am Hauptbremszylinder.

14.10.2022 - Der Tank der Guzzi soll heute, nebst dem Honda Tank, gereinigt
werden, dazu wird er mit einem fettlösenden Mittel gefüllt, ein Tauchsieder in
den Tank gehängt und die Flüssgkeit auf Temperatur gebracht. Nach einer
Stunde sind knapp 60 Grad erreicht, das sollte genügen. Ich schwenke den
Tank ein paar Mal hin und her, dann wird er geleert und mit klarem Wasser
ausgepült. Am rechten Benzinhahn habe ich außen eine Roststelle ausgemacht,
die wird abgeschliffen und die Stelle mit Rostumwandler eingestrichen. Jetzt
darf er trocken, dann folgt als weiterer Schritt vor dem Versiegeln eine Chemi-
kalie, die den Rost in eine stabile Oxydschicht umwandelt.
Befüllt und erhitzt - der Tank wird gereinigt.

17.10.2022 - Der gereinigte Tank wird entrostet, dazu mische ich über 20 Liter
des Rostumwandlers an - der Guzzi Tank ist gross... Nach einer 3/4 Stunde
ist der Tank entrostet (viel war nicht), er wird entleert, ausgeblasen, dann
setze ich den Heißluftfön auf den Tankstutzen und erhitze ihn, damit die letzten
Reste Feuchtigkeit entfleuchen. Aber der muss mindestens noch 1 kompletten
Tag auslüften, bevor ich ihn beschichten kann.
Auf 140 Grad erhitzt - da macht sich jeder Wassertropfen dünne...


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Letztes Update: 14.10.2022