Honda CB250 G5

26.02.2013 - Prima, ich kann die frisch lackierten Teile vom Lackierer
abholen. Es ist kein Meisterwerk geworden, der Lackierer war von
den Problemen, einen verwinkelten Rahmen zu lackieren, doch ein wenig
überfordert: Es gibt einige Lacknasen, an manchen Stellen ist der Lack
wellig, weil der Untergrund nicht gut genug geschliffen wurde, dazu
schimmert an ein paar besonders schwierigen Stellen die Grundierung
durch - Alles in Allem aber ausreichend gut, vor allem für den recht
günstigen Preis von 400 Euro - man darf nicht vergessen, wie viele Teile
das insgesamt waren: Der Rahmen selbst, die Hinterradschwinge, die
beiden Gabelbrücken, der Batteriekasten, die Bremsmomentstange,
Haupt- und Seitenständer, der Heckrahmen, die Werkzeugbox und
das Kettenschutzblech. Ein paar Tage lasse ich das Zeug noch im
Bastelkeller aushärten, dann werde ich ein paar Stellen nachpinseln,
einige schleifen und polieren und die Hohlräume mit Wachs konservieren,
dann können die ersten Brocken wieder angeschraubt werden. Tagsüber
telefoniere ich noch noch mit einem Fachbetrieb für Instrumentenüberholung,
da mein Haus- und Hofbetrieb auf seiner Homepage mittlerweile eine
geradezu unglaubliche Wartezeit von 12 (!) Wochen für die Restaurierung
von Instrumenten ausweist - das wird mir einfach zu viel. Abends packe
ich flugs ein Paket mit dem Teilesammelsurium an Tachos und Dreh-
zahlmessern, die ich für die Honda habe, wickle sie sorgfältig ein, kann
dann aber doch nicht mehr abschicken - die Post macht just in diesen
Augenblicken Feierabend. Dann halt Morgen... Später bestelle ich noch
ein neues Standrohr, um die Gabel baldmöglichst wieder zusammensetzen
zu können. Am Freitag geht es zum Radspanner, er soll sich die Räder
ansehen und evtl. Nabenversatz ausmessen, dann werde ich auch ent-
scheiden, ob's Edelstahl- oder Chromfelgen werden.

Der Anfang ist gemacht

01.03.2013 - Auf geht's nach Fachbach, dort hole ich mir Ra(d)t und unterhalte
mich ein wenig mit den Spezialisten. Edelstahlfelgen wären mein Favorit, sind
aber deutlich teurer als Chromfelgen und müssen angefertigt werden - Chrom
dagegen ist sofort lieferbar. Man macht mich aber auch darauf aufmerksam,
daß die Qualität der Original DID Felgen von den Nachbauten nicht erreicht
wird - als Beweis dient eine Chromfelge, die seit einem Jahr im Regal liegt
und zwischen Felgenrand und Hump bereits leichten Flugrost aufweist... Ich
entscheide mich daher, erstmal alle Räder zu zerlegen und gründlich zu reinigen.
Da die Temperaturen deutlich angestiegen und die Straßen trocken sind, hole
ich nach der Rückkehr nach gut 2 1/2 Monaten Stillstand meine 350er Enfield
aus der Garage, um die fertig reparierten Teile meiner Drehbank abzuholen.
Zu meinem Erstaunen springt das Alteisen beim ersten Tritt an! Um gut 100
Euro erleichtert kann ich das Zwischenrad der Drehbank, das für den Vorschub
verantwortlich ist, in Empfang nehmen.

02.03.2013 - Die Drehbank wird als Erstes zusammengesetzt, der schmerzlich
vermisste Vorschub ist wieder da! Trotzdem kann ich ihn vorerst nicht benutzen,
da ein weiteres Zwischenrad mittlerweile deutlichen Zahnausfall hat, das muss ich
mir neu bestellen. Na schön, zerlegen wir das Vorderrad der Honda: Der Vorder-
reifen ist so alt, dass er sich kaum von der Felge bewegen läßt, erst, nachdem ich
den Stahlgürtel mit der Flex eingeschnitten habe, bekomme ich ihn herunter. Die
Felge darunter sieht demtentsprechend aus: Voller kräftiger Roststellen... Der
Chrom auf der Vorderseite läßt sich dagegen gut wieder aufpolieren, daher nehme
ich mir eine Zopfbürste und schrappe damit den Rost so gut es geht herunter, dann
wird der Rest mit Rostumwandler eingepinselt. Wenn das morgen trocken ist,
kommt Felgensilber auf die Innenseite, mehr kann ich da nicht tun. Die Radlager
sollen ebenfalls gewechselt werden, dazu muß die Nabenmutter mit einem Spezial-
schlüssel entfernt werden - den habe ich aber nicht... Dann eben mit dem Meißel!
Die Mutter ist danach zwar Schrott, das wäre sie aber ohnehin gewesen, da das
Alugewinde hoffnungslos zerstört und korrodiert ist. Das Hinterrad gebärdet
sich noch störrischer, trotz passendem Spezialschlüssel. Auch hier ist die
Mutter anschließend zerstört, da muss ich mir Ersatz besorgen. Die beiden
Hinterradfelgen (eine aus dem Mopped, eine per eBay auktioniert) sind jedoch
beide unbrauchbar: bei der einen ruiniert ein satter Kratzer quer über die Felge
das Bild, die andere ist quasi "durchgeputzt": Sie ist schon so oft poliert worden,
daß der Chrom matt geworden ist und darunter die Kupferschicht durch-
schimmert - so wird das nix. Ob's noch ein NOS (New Old Stock) Teil gibt?
Das werde ich abends mal recherchieren. Obwohl ich weiß, dass die Speichen
Schrott sind, bringe ich's nicht über's Herz, sie einfach durchzuschneiden, daher
benötige ich pro Rad rund eine 3/4 Stunde, um sie zu zerlegen. Für Heute ist
erstmal Schluß.

Die Haltemutter des vorderen
Radlagers ist eindeutig hin...
Furchtbare Kraterlandschaft
in der Innernseite der Vorderfelge

07.03.2013 - Viel Zeit zum Basteln habe ich momentan nicht, lediglich die vordere
Felge wird nach ein paar Tagen Trocknen des Rostumwandlers abgeklebt und mit
Felgensilber lackiert - mehr kann man hier nicht tun. Dennoch bewegt sich an
anderen Stellen was: Der Instrumentenspezi hat mal herumgefragt, ob jemand
neue Zifferblätter am Lager hat - die hat zwar keiner, aber ein Händler, der sich
auf Honda spezialisiert hat meint, er könne zwei neue (!) Instrumente zu einem Kurs
besorgen, der das Überholen meiner alten Instrumente überflüssig macht. Nach
ein paar Tagen bekomme ich 2 Bilder und einen positiven Bescheid: Der Dreh-
zahlmesser ist ein Originaler, der Tacho stammt von der Japan- Ausführung.
Dieser geht bis 180 km/h (statt bis 160, wie bei meinem Tacho) und hat einen
roten Bereich. Form, Ausführung und Übersetzungsverhältnis (Tacho und Dreh-
messer sind noch voll mechanisch) sollen stimmen, daher schlage ich zu und
überweise 300 Euro auf des Händler's Konto. Auf meine Anfrage bezüglich
der neuen Hinterradfelge habe ich indes noch keine Antwort erhalten.

09.03.2013 - Mein Honda Spezi hat bereits auf meine Frage geantwortet, ob
er vielleicht auch eine hintere Felge hat - er hat, darum wird flugs geordert.
Folgerichtig mache ich micht über die Naben her, zuerst die hintere: Die Silent-
buchsen des Ruckdämpfers für das Kettenblatt sind ausgelutscht - Ersatz liegt
bereits einen Weile bereit. Aber wie kriegt man die die eingepressten Teile aus
der Nabe? Man kann sie zwar von hinten erreichen, aber sie sind verdeckt
montiert, lediglich die innere Buchse kann ich mit einem Durchschlag erreichen.
Darauf kann ich eindreschen wie ich will, die Gummis federn die Wucht der
Schläge einfach weg. Was nun? Fahren wir doch zum Baumarkt und begeben
uns auf die Suche nach frischen Inspirationen... Ein geeignetes Werkzeug finde
ich zwar nicht, eine Inspiration überkommt mich aber dennoch: Wozu habe
ich denn eine Fräse? Ein Schruppfräser ist minimal kleiner als die Buchsen,
damit kann ich diese bis auf einen schmalen Blechrand rausfräsen, was wegen
des verbrennenden Gummis einen furchtbaren Gestank verursacht. Den Rest
der Buchsen kann ich mittels Dremel und kleinem Fräser anschleifen, dann
hilft ein Kreumeißel, die Spannung aus den Buchsen zu nehmen und ich kann
sie mittels Spitzzange entfernen - Ufff... Die Reinigung der Naben mittels
Kaltreiniger bringt nicht viel, der Dreck ist eingebrannt. Daher werden die
Naben mittels Drahtbürste grob gereinigt und dann, soweit möglich, mit 240er
Schleifpapier bearbeitet. Mittels Dremel und Minidrahtbürste komme ich in
die kleinen Ecken, die Kühlrippen der Bremstrommeln kann ich mit einer
Rundfeile und umwickeltem Schleifpapier einigermaßen blank bekommen.
Perfekt wird das nicht, aber besser kriege ich's nicht hin. Nach etwa 3
Stunden Schleifarbeiten habe ich genug, zumal mein stark geschwärztes
Gesicht sich auf eine Dusche freut.

Die neue Buchse
ist bereit
Das innere Altteil ...und das Äußere
Da werde ich noch viel
zu putzen haben...
Stark verschrammt
und offenporig
Nach dem ersten
Schleifdurchgang...
...sehen beide Naben
schon deutlich besser aus

10.03.2013 - Der 2. Schleifdurchgang ist deutlich anstrengender als der 1.,
das feine 1200er Schleifpapier soll die gröberen Kratzer des Vorschliffs
beseitigen, was bedeutet: Schleifen, schleifen und nochmals schleifen...
Bevor die Finger bluten, höre ich auf - besser wird's nicht mehr. Dann baue
ich meine kleine Poliermaschine auf und entscheide mich angesichts der
schmalen Kühlrippen der Bremstrommeln für ebenso schmale Polierscheiben.
Das verringert nun zwar auch den benötigten Kraftaufwand für die Maschine
und mich, dafür dauert's länger. Nach dem Vorpolieren mit grober Scheibe
und ebenso grober Schleifpaste ist die Maschine heißgelaufen und benötigt
eine Pause - ich aber auch... ;-) Nach einer halben Stunde Abkühlung geht
es mit dem Hochglanzpolieren weiter, danach sehen die Naben recht
ordentlich aus. Der Bastelkeller sieht nach den Aktionen gestern und heute
aus wie ein Schweinestall, es wird gefegt und gesaugt. Zu mehr habe ich
heute aber keine Lust mehr, den Rest des Sonntags nehme ich mir frei...

Nach dem ersten Polier-
durchgang sieht's schon ganz
gut aus...
...nach dem zweiten Durchgang
erst recht!

14.04.2013 - Der anstehende Korsika- Urlaub zieht momentan alle Zeit-
und Geldressourcen an sich, daher ruht das Projekt vorerst.

09.05.2013 - Die Naben müssen fertig werden, damit ich sie zum Radspanner
bringen kann, mitsamt der überholten Vorderradfelge und der neuen Hinter-
radfelge. Die Radlager müssen montiert, einige Kleinteile überholt und einige
Brocken bestellt werden. Die Naben enthalten jeweils ein Fest- und ein Los-
lager, die sind sind schnell montiert. Probleme bereiten die vernudelten
Gewinde in den Naben für die Haltemuttern der Radlager, die muss ich in
mühsamer Arbeit mittels Gewindefeile wieder in Form bringen. Dann folgen
die Buchsen für den Kettenblattträger, sie werden im Schraubstock in die
Nabe eingepresst. Die beiden Distanzstücke zwischen Radlager und Brems-
deckel bzw. Tachoantrieb sehen nicht mehr gut aus, kurzerhand drehe ich
mir die aus VA neu. Die Abdeckkappe des Radlagers vorne kann wieder
aufpoliert werden, die andere Kappe wird entrostet und neu silbern lackiert.
Soweit, so gut... Die Kronenmuttern der Achsbefestigungen brauche ich neu,
in VA sind sie unglaublich teuer: 12 Euro für die M12 x 1,5er und 14 Euro
für die M16 x 1,5er - die verzinkten Originalmuttern wären allerdings kaum
günstiger. Als Bereifung entscheide ich mich vor allem aufgrund der Optik
für die Heidenau K33/K34 Kombination, die mitsamt Schläuchen und
Felgenbändern für schlappe 120 Euro zu haben sind.

Die Nabe hinten ist fertig... ...ebenso die vordere Alt- und Neuteile beisammen


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Letztes Update: 09.05.2013